Abstracts (Panel Discussion)
Short Presentations
Henning Schluß (Universität Wien)
Zwischen der Darstellung der Welt wie sie ist und der Darstellung der Welt wie sie sein soll.
Die Kupfertafeln des Elementarwerkes von Daniel Chodowiecki und Johan Bernhard Basedow von 1774
Mit dem Elementarwerk wollte Johann Bernhard Basedow ein umfassendes Lehrwerk vorlegen, das für den schulischen Unterricht genauso zum Einsatz kommen sollte, wie dem häuslichen Unterricht. Ein wesentlicher Bestandteil waren die in zwei gesonderten Bänden beigegebenen Bilder, für die Basedow den damals führenden Berliner Kupferstecher Daniel Chodowiecki gewinnen konnte. Diese Sammlung von insgesamt fast 100 Bildtafeln haben eine mehrfache Funktion. Einerseits sollen sie die Welt abbilden wie sie ist, oder gewesen ist. Sie sollen Dinge anschaulich machen, die sonst den Schüler*innen unzugänglich bleiben mussten, seien es andere Weltgegenden oder Epochen. Andererseits zeigen die Bilder aber auch die Welt wie sie sein soll, jedenfalls in der Perspektive der aufgeklärten philanthropischen Kosmopoliten.
Der Beitrag geht am Beispiel einiger Bilder diesem normativen Bias der Bilder nach und versucht zu zeigen, wie die aufklärerische Perspektive auf die Welt die Darstellung der Welt beeinflusst.
Katrin Glinka (HTW Berlin)
Interpretation von visuellen Interpretationen.
Eine Herausforderung für die Gestaltung von ML-basierten Systemen
Systeme, die auf hochdimensionalen Vektorräumen basieren, sind nicht mehr menschenlesbar. Dies trägt zur Einschränkung der interpretativen Agency aufseiten der Nutzer*innen bei. Um der Intransparenz von ML-Modellen entgegenzuwirken, beschäftigt sich Forschung im Bereich der »Explainable AI« (XAI) mit Ansätzen, die darauf ausgerichtet sind, das Modell-Verhalten und den Output zu »erklären«. Dazu zählen unter anderem visuelle XAI Ansätze wie z.B. Class Activation Mapping (CAM) oder Plot-Visualisierungsmethoden wie tSNE. Doch auch visuelle Erklärungen bedürfen der Interpretation. Der Input-Talk positioniert die Ermöglichung einer kritisch reflektierten Nutzung von ML-Anwendungen als eine noch zu lösende Gestaltungsaufgabe und stellt Ansätze zur methodischen Ausgestaltung von transdisziplinären Gestaltungsprozessen zur Diskussion.
Maria Schreiber (Universität Klagenfurt)
Postdigitale Bildpraktiken
Von Holocaust-TikToks über Stalins Instagram-Account und „antiken“ KI-Videos bis zu Lehrer-Influencern: Die Verfügbarkeit und einfache Remediatisierung unterschiedlichster historischer und aktueller Bilder in digitalen Kontexten bieten Herausforderungen und Chancen für Forschung und Bildungsarbeit. Wie verändern die Dynamiken postdigitaler visueller Kulturen Glaubwürdigkeit, Wert und Relevanz von visueller Kommunikation in Bildungskontexten?
Florian Windhager (Universität für Weiterbildung Krems)
Bias All the Way Down
Voreingenommenheit in Daten, Bildern und geisteswissenschaftlichem Diskurs
Jeder Akt der Repräsentation erfordert Entscheidungen – und jede Entscheidung schließt nicht-gewähltes aus. Debatten über Bias drehen sich genau um diesen Rest: die Exklusionen und Verzerrungen in der Art und Weise, wie wir sehen, sammeln, modellieren und darstellen. Wenn die Geisteswissenschaften ein verbindendes Projekt haben, dann ist es wohl die Aufdeckung genau dieser Verzerrungen – in Kultur, Geschichte und Politik – auch wenn kritische Positionen auf Grundlagen beruhen, die nicht weniger voreingenommen sind. Dieser Vortrag bewegt sich von dieser unbequemen Symmetrie hin zu Verzerrungen von datenbasierten Bildern und Visualisierungen und verfolgt, wie die aktuelle Forschung lernt, Vorannahmen hinter visuellen Kodierungen zu lesen und neu zu gestalten. Er schließt mit der Frage, wie Visualisierungen nicht nur zum Gegenstand geisteswissenschaftlicher Kritik, sondern auch zu ihrem Medium werden können, indem sie die Voreingenommenheiten unserer eigenen kritischen Rahmenbedingungen ebenso sichtbar machen wie jene, die wir aufzudecken beabsichtigen.
